Meilenwerk schreibt Schlagzeilen
"Heilige Hallen, heilig´s Blechle!" So lautet der Aufmacher der Welt am Sonntag im Immobilienteil vom 19. Februar 2012. In einer über zwei Seiten angelegten Reportage geht es um die Meilenwerke. Lesen Sie hier Auszüge aus der Reportage der WamS. Auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hatte zuvor schon ausführlich über das Meilenwerk Zürichsee in Horgen berichtet.
Die Online-Version des Welt am Sonntag Artikels erhalten Sie hier:
Welt am Sonntag, 19.02.2012
Die Online-Version der Reportage in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung finden Sie hier:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 10.02.2012
Für schnelle Leser - Auszüge aus dem Artikel der Welt am Sonntag vom 19. Februar 2012, Seite 81 und 83: Auch ehrwürdige Industriebauten lassen sich rentabel nutzen. Immobilienentwickler Martin Halder hat das "Meilenwerk" erdacht - eine Art "betreutes Wohnen für Oldtimer". Seit neun Jahren verwandelt der Gründer der Berliner Meilenwerk AG ausrangierte, oftmals unter Denkmalschutz stehende Gewerbeimmobilien in Dienstleistungszentren für Oldtimer-Fans. Das 2009 eröffnete Stuttgarter Meilenwerk etwa befindet sich in einem denkmalgeschützten Hangar auf dem Gelände des ehemaligen Landesflughafens in Böblingen-Sindelfingen. Es ist eine Art lebendiges Museum für Oldtimer und Sammlerfahrzeuge. Denn die rund 200 altehrwürdigen und liebevoll gepflegten Vehikel, die hier in gestapelten, klimatisierten Glasboxen und ebenerdigen Stellplätzen Platz finden, "sind allesamt in Privatbesitz und werden nach wie vor genutzt", betont Martin Halder. Hinzu kommen 35 Dienstleister wie etwa Oldtimerverkäufer und -Restauratoren, Gutachter und Versicherer, spezielle Werkstätten oder Oldtimer-Fotografen. Auch ein Design-Hotel mit Themenzimmern zu Auto- und Motorsport, eine Hausbrauerei, italienische Feinkostläden und einige sportlich klassische Modeboutiquen haben sich inzwischen auf dem 16 000 Quadratmeter großen Areal angesiedelt.
"Heutzutage", sagt der Wahlberliner, "wollen sich die Menschen selbst verwirklichen." Das wiederum führe zu neuen, ganz unterschiedlichen Bedürfnissen, auf die der Markt reagieren muss. Als Beispiel für diese Entwicklung führt Halder den Autokonzern Daimler an. "Der hatte vor 30 Jahren gerade einmal zwei Modellreihen", sagt der Meilenwerk-Gründer. Heute seien es ganze 17 - Tendenz: steigend. Nur die Immobilienbranche hinkt dieser Entwicklung noch ein wenig hinterher. Hier fragt man viel zu selten, "für wen man eigentlich baut und welche spezifischen Bedürfnisse die jeweilige Zielgruppe eigentlich hat", kritisiert Halder. Die Branche plane ihre Projekte meist für einen anonymen Markt und somit oftmals an den Vorstellungen der Nutzer vorbei. Wenn Halder eines seiner Meilenwerke plant, lässt er die Finanzierung und die Standortauswahl zunächst bewusst außen vor. Für ihn genießt die Zielgruppe Priorität. "Ich muss wissen, welche Bedürfnisse Oldtimerbesitzer haben und in welchen Ballungsräumen sie verstärkt ansässig sind", erklärt der Immobilienentwickler. Wie seine Kunden ticken, weiß der 42-Jährige inzwischen ganz genau: "Viele Oldtimerbesitzer bekleiden hohe Posten und haben nicht selten mehrere Oldtimer in der Garage stehen", schmunzelt Halder. Ihre Qualitätsansprüche sind auch außerhalb ihrer Leidenschaft für Oldtimer hoch. Das, was sie an ihren alten Autos so lieben, nämlich die qualitätsvollen, häufig noch ursprünglichen Materialien, schätzen sie auch an alten Gebäuden. Die Meilenwerk-Standorte sind deshalb immer historische, ungenutzte Industrie- und Infrastrukturgebäude. "Nur sie haben die notwendige Geschichte und das Flair, um einem derartigen Zentrum für Oldtimerfans einen würdigen Rahmen zu verleihen", erklärt Martin Halder. Das hat zudem den Vorteil, dass diese Gebäude meist günstig zu haben sind, da sie wenig nachgefragt würden.
Ist die Zielgruppe geortet und ein geeigneter Standort gefunden, entwickelt Meilenwerk eine erste Konzeption mit vorläufigen Zahlen zur voraussichtlichen Rentabilität des Standortes. Dann begibt sich der umtriebige Schwabe auf die Suche nach einem Investor. "Anschließend beginnen wir mit dem Umbau des Gebäudes, suchen geeignete Mieter und kümmern uns wie in einem Shoppingcenter um das Centermanagement", erklärt Halder. Er selbst verdient sein Geld mit der Entwicklung und dem anschießenden Management der Immobilie. Der Mieter-Mix in einem Meilenwerk funktioniert wie in einem gut eingespielten Symphonieorchester. Jedes Geschäft ist ein wichtiger Baustein. "Fehlt einer, leidet die Qualität des gesamten Orchesters. Im besten Fall befruchten sich die Geschäfte gegenseitig", erklärt Martin Halder. Wer in einem Meilenwerk einen Oldtimer kaufe, der benötige eben auch einen Versicherer, sei auf der Suche nach bestimmten Accessoires und möchte zwischendurch in gastronomischen Einrichtungen etwas zu sich nehmen. Die Höhe der Mieten richtet sich nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines jeden Geschäftes. Eine Oldtimer-Werkstatt etwa "setzt weniger um als ein Textil-Einzelhändler, ist aber mindestens ebenso wichtig für das Gesamtkonzept", verdeutlicht der Immobilienentwickler.
Derweil laufen die Planungen für zwei weitere Meilenwerke in Zürich undHamburg auf Hochtouren. In der Hansestadt ist es ein altes Heizkraftwerk aus Backstein, das nach Vorstellungen der Planer in den nächsten Jahren zu einem Treffpunkt für die Oldtimerszene werden soll. Dagegen wird in Kürze hoch über dem Ufer des Zürichsees eine ehemalige Webmaschinenfabrik zu einem Meilenwerk umgebaut. Der Investor, die Schweizer Mobimo AG, investiert 35 Millionen Euro in den Umbau des 230 Meter langen Fabrikgebäudes und will zudem dort ein Hotel errichten. Auch hier wird es wieder den schon typischen Meilenwerk-Ladenmix geben, angeordnet nach dem Prinzip der europäischen Stadt, mit kleinen Gassen und Plätzen. "Alles ist sehr nutzerorientiert", betont Halder. Selbst an ein Linksfahrerterminal für die traditionell große Gemeinde der britischen Oldtimerfahrer hat er gedacht.